Gedenken oder Geplänkel? – Was das Geinsheimer Mahnmal wirklich zeigt

Hinweis: Dieser Artikel nimmt Bezug auf einen Artikel beim SWR. Der Artikel war datiert auf den 23.10.2025 und stammte von Irmgard Reisinger.

Am Sonntag wird in Geinsheim ein Mahnmal für die Opfer der Nazi-Diktatur eingeweiht. Ein wichtiges Moment. Ein richtiges Moment. Und gleichzeitig ein Moment, der einige unbequeme Fragen aufwirft.

Fünf Jahre hat dieser Prozess gedauert. Der Artikel in der Rheinpfalz nennt es diplomatisch: “Der Standort war umstritten.” Der Bildhauer Bernhard Mathäss musste sich sogar kurzzeitig aus dem Projekt zurückziehen. Das klingt nicht nach breiter Einigkeit über den besten Weg, Opfer zu ehren.

Und dann: Das Mahnmal soll neben dem Hähnchengrill aufgestellt werden. Die Begründung: “Viele der jüdischen Mitbürger gingen damals dort in die Schule.”

Okay. Aber hier die Frage, die im Raum steht: Warum nicht dort, wo früher die Synagoge stand? Wo Juden nicht nur “mal zur Schule gingen”, sondern wo sie beteten, wo ihr religiöses und kulturelles Leben stattfand? Das wäre doch der Ort, der die Geschichte wirklich erzählt?

Stattdessen: Hähnchengrill.

Es geht nicht darum, den Standort zu verdammen. Es geht darum, dass die Begründung etwas Seltsames offenbart – eine Art… Beiläufigkeit. “Juden waren auch da.” Das klingt weniger nach ernsthaftem Gedenken, mehr nach: Schau, wie toll wir uns um Aufarbeitung kümmern.

Und dann ist da noch die Sache mit der Namensliste. Monatelange Recherche, um die Namen der deportierten und ermordeten Menschen genau zu erfassen. Ein Arbeitskreis hat daran gearbeitet, Entscheidungen getroffen.

Karl Linnenfelser und Clemens Stahler – beide Vorstand des Heimatvereins – gehörten auch diesem Arbeitskreis an. Der Heimatverein unter ihrer Verantwortung nutzte dann bei der Umsetzung eine andere Liste. Mit der Begründung: “Das stand ja gar nicht im Protokoll.”

Rechtlich sauber. Menschlich fraglich.

Das ist nicht einfach eine administrative Entscheidung. Das ist eine Entscheidung gegen die eigene Arbeitskreis-Arbeit. Und das wirft Fragen auf: Worum ging es wirklich? Um die 33 Namen? Oder um etwas anderes?

Ein Mahnmal ist mehr als ein Objekt. Es ist ein Versprechen – das Versprechen, dass eine Gemeinde bereit ist, ihre Geschichte wirklich anzuschauen. Auch wenn es unbequem wird. Auch wenn es bedeutet, Fehler einzugestehen. Auch wenn es bedeutet, dass nicht alle Verantwortlichen am Ende auf die Schulter geklopft werden.

In Geinsheim sieht es manchmal anders aus. Da sieht es aus, als müssten sich bestimmte Menschen auf die Schulter klopfen – egal wie der Prozess war, egal welche Entscheidungen ignoriert wurden.

Am Sonntag wird das Mahnmal übergeben. Der Ort wird klatschen. Das ist gut so – die 33 Namen verdienen das. Aber vielleicht sollten wir trotzdem die Fragen stellen, die weh tun.

Denn echtes Gedenken ist nicht einfach. Es sollte auch nicht einfach aussehen.